Wallfahrt

MarienbildHochfilzen - ein Wallfahrtsort mit Tradition

Ortschronist Dr. Sebastian Eder

Hochfilzen kann man durchaus als Wallfahrtsort mit Tradition bezeichnen. Pfarrer Ralf Peter hat neuerdings die Initiative für eine Wiederbelebung der zum Erliegen gekommenen Wallfahrt in zeitgemäßer, moderner Form ergriffen (siehe Artikel Pfarrer Ralf Peter). Das ist auch aus historischer Sicht gerechtfertigt, zumal man festhalten kann, dass unsere Gemeinde zeitweise ein beliebter Wallfahrtsort bzw. auch Ausgangspunkt (bes. nach Maria Kirchental) für Wallfahrten war. Auch während der letzten Jahrzehnte ist die Pilgerschaft direkt nach Hochfilzen nicht ganz erloschen. Hochfilzen wird im Verzeichnis der „Marien-Wallfahrtsorte in Tirol“ ebenso genannt wie in der Liste der „Marien-Wallfahrtsorte in der Erzdiözese Salzburg“.
Im Buch „Wallfahrten im Erzbistum Salzburg“ von Johannes Neuhardt heißt es :

„Der erst langsam entstehende Flecken Hochfilzen erhielt erst 1682 eine Kapelle, in der schließlich auch die Messe gefeiert werden durfte. Die Muttergottes vom Hause Loreto wurde ihr zur Patronin gegeben. Auf einer Votivtafel aus dem Kriegsjahr 1703 (Spanischer Erbfolgekrieg 1701 bis 1714, Anm. der Red.) in Maria Kirchental findet sich dieses Loretokirchlein noch dargestellt. Als aber schon fünf Jahre später eine schwere Brandkatastrophe das Gotteshaus arg beschädigt hatte, entschloß man sich zu einem größeren Neubau. Das Vorhaben zog sich aber in die Länge , so dass erst am 28.08.1746 der Chiemseer Bischof Josef Graf Arco, in dessen Diözese die Kirche damals lag, das Gotteshaus weihen konnte.

Die erste Nachricht von einer Wallfahrt stammt aus dem Jahre 1698, da uns berichtet wird, in der kleinen Loretokapelle hingen beim wundertätigen Gnadenbild zwei große und viele kleine Votivkerzen und tafeln, ein silbernes Herz , Krücken und Medaillen. Leonhard Auer, der zusammen mit seinem Vater die Kapelle erbaut hatte, waltete dort des Mesneramtes . Das Gnadenbild selbst zeigt auf dem Stich von P. Corbinian Angerer OSB in einer lebendigen Rokokonische eine stehende, gekrönte Marienstatue, die das Kind auf dem linken Arm trägt, während dieses im linken Händchen die Weltkugel hält und mit dem rechten segnet.

Die mit dem Kirchenbau 1745/46 erst richtig aufgeblühte Wallfahrt wurde hauptsächlich von den Knappen des Pillersee-Bergbaureviers am 5. August, dem Fest Maria Schnee, in einer Prozession von Fieberbrunn aus besucht. Aus späteren Jahren sind nur spärliche Berichte über Pilgerzüge bekannt. Mehr der Kuriosität halber sei erwähnt, dass noch um 1800 am Laurentiustag ( 10. August) Ringkämpfe bei der Kirche stattfanden, die vermutlich sogar älter als die Wallfahrt sein dürften.

Diese „Rangglerveranstaltungen“ gab es mit großem Zuschauerinteresse später, in der zweiten Hälfte des 19. Jdhdt. – besonders nach dem Bahnbau ab 1875 - ebenfalls am 10. August im Bereich des K und K Schießplatzes am heutigen Tüpl , Anm. d. Red.).

Eine Votivtafel über die Heilung eines taubstummen Mädchens (1869) war noch vor nicht allzu langer Zeit in der Kirche zu sehen. Die Kuratie von 1742 wurde erst 1891 zur Pfarre erhoben. Auch in der im Jahre 1961 erweiterten Kirche thront die Gnadenmutter über dem Hochaltar.“

Erst seit der Weihe des neuen Gotteshauses im Jahr 1961 trägt die Kirche von Hochfilzen zu Recht den Titel „Maria Schnee“. Der Ursprung für diese Bezeichnung geht allerdings schon auf das Jahr 1686 zurück, als vom Papst für Hochfilzen auf das Fest Maria Schnee ein im 18. Jhdt. mehrmals erneuerter vollkommener Ablass verliehen wurde.

Als Zeitpunkt der ersten Wallfahrt kann man – im Gegensatz zur Angabe von Johannes Neuhardt – wohl bereits den 8. Oktober 1683 betrachten, als die ganze Berg- und Hüttwerksgesellschaft aus Fieberbrunn mit dem Kreuz nach Hochfilzen gekommen ist, um dort mit den Einheimischen die heilige Messe zu feiern. Die Quellen belegen, dass die gleichen Wallfahrer mindestens in den Jahren 1687 und 1692 wieder kamen. Seit der Kapellenweihe sind in den Aufzeichnungen im langjährigen Durchschnitt bis einschließlich 1783 zum Fest Maria Schnee jeweils vier Geistliche, zum Kirchweihfest sogar fünf Geistliche angeführt. Ab 1784 haben die Wallfahrten nach Hochfilzen auf Grund des kaiserlichen Verbotes (durch Josef II.) vorübergehend aufgehört. Es scheinen in dieser Zeit auch keine fremden Geistlichen mehr auf. Später kommen jeweils wieder drei Priester mit den Pillersee- Nachbargemeinden zum Fest Maria Schnee mit dem Kreuz nach Hochfilzen.

Die Fieberbrunner Eisenknappen pilgerten nach wie vor alljährlich zur Danksagung zum Fest Maria Schnee nach Hochfilzen. Offiziell taten sie dies letztmals im Jahre 1901. Der Grund dafür war wohl, dass der Bergbau in Fieberbrunn zu dieser Zeit langsam zu Ende ging, zumal er besonders nach dem ersten Weltkrieg mit großen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hatte.

Es gibt aber auch nach dieser Zeit noch vereinzelte Berichte über Wallfahrten bzw. Bittgänge nach Hochfilzen, sodass man annehmen kann, dass die Gnadenmutter von Hochfilzen nie ganz in Vergessenheit geraten ist.

Im Allgemeinen Tiroler Anzeiger vom 26.03.1918 etwa heißt es im Zusammenhang mit einem Bericht über den plötzlichen Tod des erst 37 jährigen „Realitätenbesitzersohns“ Hans Dandler/ Fieberbrunn: „ Über Veranlassung des Veteranenvereins Fieberbrunn unternahmen heute, Mariä Verkündigung (25. März), dieser, die Feuerwehr und der katholische Arbeiterverein Fieberbrunn einen Bittgang nach Hochfilzen..“

An anderer Stelle dieser Zeitungsausgabe wird diese Aktion im letzten Kriegsjahr des Ersten  Weltkriegs sehr wohl als „Wallfahrt“ bezeichnet:

„Wallfahrt – Hochfilzen; 25. März,1918: 

Über Beschluß des Veteranen- und Kriegervereines Fieberbrunn fand am heutigen Marienfeste eine Kriegswallfahrt sämtlicher Vereine der 4 Pillerseer Gemeinden zur Gnadenmutter in Hochfilzen statt, an welcher sich außer den Vereinsmitgliedern auch die übrige Bevölkerung zahlreich beteiligte. Auch das Eisenwerk Fieberbrunn war durch Musik und Deputation von drei Mann vertreten. Werksbesitzer Hr. Köllensberger spendete für den Kriegsinvaliden-, Witwen- und Waisenfonds der beteiligten Gemeinden in munifizenter Weise 200 Kr, wofür ihm an dieser Stelle der wärmste Dank ausgesprochen sei. Das Gesamtergebnis der Sammlung, die anläßlich dieser Wallfahrt vorgenommen wurde, beträgt 356 Kr, wovon sich nach Abrechnung der Ausgaben für Musik usw. ein Reinerträgnis von 290 Kr ergibt, welches an die vier Pillerseegemeinden perzentuell zur Verteilung gelangt.“

In letzter Zeit haben sich neue Wallfahrten nach bzw. über Hochfilzen oder auch von Hochfilzen ausgehend etabliert.

Hochfilzen liegt an einer ausgeschilderten Pilgerroute des "Pinzgauer Marienweg", der seit 2012 besteht.

Pilgergruppen, die diese eine von vier Wegvarianten über Spielberghaus und Hochfilzen nach Maria Kirchental wählen, machen immer wieder für eine Andacht in unserer Kirche halt.

Nicht zuletzt auch durch diese Wallfahrt wurde der Wallfahrtscharakter der Kirche von Hochfilzen wieder thematisiert und betont. Die am Kirchturm als Teil des Projektes angebrachte große Tafel informiert die Pilger über unsere Gemeinde und über unsere Pfarre.

Hochfilzen ist darüberhinaus traditioneller Ausgangspunkt für Wallfahrten vornehmlich nach Maria Kirchental.

Bis vor ca. 20 Jahren pilgerte die katholische Jugend des Bezirks ebenso nach Maria Kirchental wie es heute nach wie vor private Gruppen und Vereine machen. Auch die Pferdewallfahrt des Truppenübungsplatzes, die im Jahre 2003 unter dem Kommandanten Oberst Fritz Bieler erstmals durchgeführt wurde, erfreut sich großer und noch immer zunehmender Beliebtheit. Ausgangspunkt ist die Barbarakapelle am Truppenübungsplatz. Tragtierführer des Tragtierzentrums Hochfilzen, der Deutschen Bundeswehr oder auch der Schweizer Armee führen mit ihren Haflingern und Maultieren den langen Zug im Frühsommer nach Maria Kirchental an, wo schließlich vor der Kirche eine Feldmesse abgehalten wird.